Meine Geschichte
Nicht geradlinig. Aber meiner.
Herkunft
Zwischen Gegensätzen groß werden
Ich bin der Jüngste von drei Geschwistern und in einem Elternhaus groß geworden, das von starken Gegensätzen geprägt war. Mein Vater war sehr wirtschaftlich orientiert, meine Mutter tief gläubig. Es gab bei uns wenig Grenzen, viel Freiheit, viel Liebe, aber auch viel verbale Gewalt. Rückblickend glaube ich, dass genau daraus etwas entstanden ist, das mich bis heute prägt. Eine feine Wahrnehmung für Menschen, für Spannungen, für das, was zwischen den Zeilen passiert, und gleichzeitig ein starker Wille, meinen eigenen Weg zu gehen.
Schon früh wollte ich lesen lernen. Einer meiner größten Wünsche als Kind war es, die Zeitung lesen zu können, weil mein Vater das immer getan hat und ich unbedingt verstehen wollte, was dort eigentlich drinsteht. Gleichzeitig kam früh die Diagnose einer Lese-Rechtschreib-Schwäche. In einem Grundschulzeugnis stand einmal sinngemäß: „Benjamin kann nicht gehen, er kann nur laufen. Er ist sehr gesellig, scheint aber ständig abgelenkt." Wenn ich heute darauf schaue, steckt darin schon viel von mir. Viel Energie, viel Neugier, wenig Anpassung – und immer ein eigener Rhythmus.
Schule & Bildungsweg
Klassen wiederholt, Raster ignoriert – und dann Feuer gefangen
Mein Bildungsweg war alles andere als geradlinig. Ich habe Klassen wiederholt, war auf unterschiedlichen Schulformen unterwegs und habe mich selten wirklich in vorgegebene Raster eingefügt. Zum ersten Mal richtig Feuer gefangen habe ich in der Betriebswirtschaft. Das lag vor allem an einem Lehrer, der aus der Praxis kam und in mir die Faszination geweckt hat, Systeme zu verstehen. Danach habe ich Wirtschaftswissenschaften und Evangelische Theologie an der Bergischen Universität Wuppertal studiert und meinen Kombi-Bachelor abgeschlossen.
Das Studium war zunächst auch eine schwierige Zeit für mich. Zum ersten Mal weg von zu Hause, viel Party, viel Ablenkung, auch Drogen und Phasen, in denen ich mich fast verloren hätte. Und dann bin ich eher zufällig auf die Erlebnispädagogik gestoßen und habe mich in diesen Beruf und diese Rolle verliebt. Dort habe ich zum ersten Mal wirklich erlebt, welche Kraft in Natur, Bewegung und gut eingesetzten Methoden steckt. Ich habe gesehen, welchen immensen Einfluss Natur auf das Wohlbefinden von Menschen haben kann. Ich habe erfahren, was es mit Menschen macht, in Aktion zu sein, sich selbst außerhalb gewohnter Räume zu erleben und in echten Erfahrungen zu lernen statt nur über sie zu sprechen.
In der Erlebnispädagogik habe ich auch verstanden, wie stark Vielfalt eine Ressource für Teams sein kann. Wenn Unterschiedlichkeit nicht als Problem, sondern als Stärke begriffen wird, kann etwas fast Magisches entstehen. Menschen finden neue Rollen, Teams entwickeln sich, Vertrauen wächst und Potenziale werden sichtbar, die vorher niemand gesehen hat. Diese Erfahrung hat mich tief geprägt.
NRW – Brennpunkte & Begegnungen
Ein Dorfkind in der Großstadt – und was ich dort gelernt habe
Parallel dazu habe ich in ganz Nordrhein-Westfalen gearbeitet, oft dort, wo gesellschaftliche Spannungen besonders sichtbar und spürbar sind. In Essen-Altendorf, in der Dortmunder Nordstadt und in Duisburg-Marxloh. Für mich war das anfangs tatsächlich ein Kulturschock. Ich bin eher als Dorfkind und insgesamt gut behütet groß geworden. Diese Lebenswelten waren mir fremd. Zugleich durfte ich dort Menschen begegnen, deren Herzlichkeit, Offenheit und kulturelle Vielfalt mich tief berührt haben. Daraus ist bis heute eine große Freude an kultureller Vielfalt entstanden – und ein sehr offenes Herz dafür.
Ich konnte auch meine anfängliche Angst abbauen. Diese Öffnung war für meine Entwicklung unglaublich wichtig. Sie hat mich sensibel für unterschiedliche kulturelle Kontexte gemacht, aber nicht übersensibel. Eher wach, respektvoll und interessiert.
In dieser Zeit habe ich vor allem im Bereich politische Bildung, soziale Kompetenz und Persönlichkeitsentwicklung gearbeitet. Ich war in Schulen, mit Jugendlichen, mit Gruppen, in Brennpunkten – und genau dort, wo Menschen oft früh lernen müssen, sich durchzusetzen, obwohl sie eigentlich Halt, Resonanz und gute Begleitung brauchen. Diese Jahre haben mich fachlich und menschlich tief geprägt.
„Vieles, was ich vorher als persönliches Scheitern oder als mangelnde Disziplin verstanden hatte, bekam plötzlich einen anderen Sinn."
ADHS & Neubeginn
Eine Diagnose, die vieles neu erklärt hat
Später kam dann die ADHS-Diagnose. Vieles, was ich vorher als persönliches Scheitern oder als mangelnde Disziplin verstanden hatte, bekam plötzlich einen anderen Sinn. Ich bin noch einmal nach Hause gezogen, habe mein Studium zu Ende gebracht und begonnen, mich anders zu verstehen. Nach der Diagnose habe ich ungefähr zwei Jahre lang Ritalin genommen. Daran haben mich einige Dinge wirklich erstaunt – vor allem, wie sehr sich innere Ordnung, Fokus und Ruhe verändern können. Ich bin dankbar, dass es Medikamente gibt und dass sie unterstützen können. Gleichzeitig bin ich genauso froh, dass ich sie seit längerer Zeit nicht mehr nehme, weil mir im Moment nichts fehlt.
Heute sehe ich ADHS nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Ressource. Schnelles Denken, hohe Wahrnehmung, kreative Verknüpfungen, Energie, Innovationskraft und die Fähigkeit, in Möglichkeiten zu denken. Gerade in Verbindung mit Digitalisierung, künstlicher Intelligenz und neuen Lern- und Arbeitsformaten erlebe ich das inzwischen oft als großen Vorteil.
Reise & Selbstentdeckung
Kanada, Zentralamerika – und eine neue Seite an mir
Nach dem Studium bin ich für ein Jahr gereist. Sechs Monate war ich in Kanada, unter anderem auf einer Farm, im Work & Travel und zugleich in einer Phase, in der ich auch remote gearbeitet habe. Dort habe ich eine neue Seite an mir entdeckt. Nicht den faulen Studenten, als den ich mich manchmal selbst gesehen hatte, sondern einen Menschen, der mit Fokus, Disziplin und Hingabe von früh morgens bis spät abends arbeiten kann, wenn er Sinn in dem sieht, was er tut.
Danach war ich mit dem Rucksack in Zentralamerika unterwegs, auch durch den Dschungel, oft sehr einfach, sehr nah an der Natur und am Leben. Das hat mich geerdet und innerlich noch einmal geweitet.
Systemische Weiterbildung
Was ich in der Praxis erlebt hatte, bekam endlich einen Namen
Zurück in Deutschland habe ich meine Selbstständigkeit weiterentwickelt und mich systemisch weiter qualifiziert. Unter anderem in der Ausbildung zum Potenzialmanager mit Schwerpunkt auf Führung, Prozessberatung, Qualitätszirkeln und Veränderungsprozessen sowie später im systemischen Coaching. Der systemische Ansatz hat für mich in Worte gefasst, was ich in der Erlebnispädagogik und in der Bildungsarbeit längst praktisch erfahren hatte. Menschen sind nie losgelöst von ihren Kontexten zu verstehen. Entwicklung braucht Beziehung, Resonanz, gute Fragen und einen Blick auf das Ganze.
Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass die Arbeit mit Erwachsenen der mit Kindern und Jugendlichen oft viel ähnlicher ist, als viele denken. Es geht in beiden Fällen um Sicherheit, Kontakt, Selbstwirksamkeit, Entwicklung und die Frage, wie Menschen ihren Platz in einem größeren Zusammenhang finden. Meine Intuition für menschliche Dynamiken habe ich nicht nur praktisch gelebt, sondern systematisch vertieft – unter anderem durch Weiterbildungen in systemischem Business Coaching und Systemic Agile Leadership.
„Kaum war das Unternehmen gestartet, hat uns Corona unser ursprüngliches Geschäftsmodell praktisch zerstört. Also mussten wir uns neu erfinden. Diese schöpferische Phase war hart – aber extrem produktiv."
Unternehmertum
Aufbauen, Krise überstehen, weitermachen
Ich war nie in einem klassischen Angestelltenverhältnis. Ich habe immer eher aufgebaut, gestaltet, Verantwortung übernommen und unternehmerisch gedacht. Gemeinsam mit Dennis Sawatzki habe ich das Institut für Schulentwicklung und Hochschuldidaktik gegründet. Kurz vor der Corona-Pandemie erhielten wir einen Gründerkredit der GLS Bank. Das erste Mal angestellt war ich dann in meinem eigenen Unternehmen. Kaum war das Unternehmen gestartet, hat uns Corona unser ursprüngliches Geschäftsmodell praktisch zerstört, weil klassische Lehrerfortbildungen plötzlich nicht mehr stattfinden konnten. Also mussten wir uns neu erfinden.
Diese schöpferische Phase in der Corona-Zeit war hart, aber auch extrem produktiv. Wir haben digitale Didaktikformate entwickelt und sind damit schließlich so weit gekommen, dass wir für das Bildungsministerium in Nordrhein-Westfalen 2.500 Lehrkräfte qualifizieren durften. Unser Unternehmen ist in dieser Zeit rasant gewachsen, zeitweise auf bis zu zehn Mitarbeitende und etwa vierzig Freiberuflerinnen und Freiberufler.
Danach kam auch wieder ein harter Absturz. Nach Abschluss großer Aufträge wurde es wirtschaftlich eng. Es gab Phasen kurz vor der Insolvenz, personelle Umbrüche und viel Verantwortung in unsicheren Zeiten. Parallel dazu habe ich Coachingspace aufgebaut. Die Idee war, eine Plattform für systemische Arbeit im digitalen Raum zu schaffen. Daraus ist eine mehrfach ausgezeichnete virtuelle Coaching-Plattform entstanden, mit der wir traditionelle systemische Methoden in das digitale Zeitalter übersetzt haben. Bis heute bin ich in beiden Welten aktiv – in der unternehmerischen Entwicklung und in der direkten Arbeit mit Menschen.
Heute
Mit Herzblut – Innovation und Menschlichkeit
Ich arbeite mit Herzblut in Coaching, Lehre, Organisationsentwicklung und Weiterbildung. Innovation gehört für mich genauso dazu wie Menschlichkeit. Ich liebe es, neue Wege zu denken, mit künstlicher Intelligenz zu arbeiten, Digitalisierung sinnvoll zu nutzen – und gleichzeitig den Menschen nie aus dem Blick zu verlieren. Dazu gehört auch meine Arbeit als INQA-Coach, in der ich Unternehmen bei Digitalisierung, Automatisierung und zukunftsfähiger Entwicklung begleite.
Ich bin sehr dankbar dafür, wie weit ich bisher kommen durfte. Nicht weil alles leicht war, sondern weil vieles schwer war – und ich daran wachsen konnte. Gerade deshalb möchte ich etwas zurückgeben. Ich begleite Menschen, Teams und Organisationen leidenschaftlich gern in Entwicklungsprozessen – mit einem systemischen Blick, viel Praxiserfahrung und einer großen Offenheit für das, was Menschen wirklich bewegt.
Was mich bis heute trägt
Auf meiner bisherigen Reise habe ich ein paar Dinge gelernt.
Sie tragen mich heute tief – und ich teile sie gerne.
01
Du bist geliebt
Auch wenn du das gerade nicht spürst. Es ist wie mit der Sonne – sie ist immer da, auch wenn du gerade nur Wolken siehst. Dieser Gedanke trägt mich besonders in Phasen, in denen vieles eng wird und der Blick auf das Gute verloren zu gehen droht.
02
Dein Wert ergibt sich aus deinem Sein
Nicht aus deinen Taten. Diesen Satz habe ich im Kern von meiner Mutter mitbekommen. Er erinnert mich bis heute daran, dass Würde nichts ist, was man sich verdienen muss. Sie ist schon da.
03
Es ist, was es ist
Ein Satz aus Kanada, den ich in einer Zeit gelernt habe, als ich als Schreiner gearbeitet habe und oft verzweifelt war über das, was gerade ist. Für mich bedeutet das nicht Resignation, sondern Loslassen. Gelassen sein. Sein lassen. Andere sein lassen. Die Dinge sein lassen. Genau darin liegt oft eine große Entspannung – und manchmal überhaupt erst die Möglichkeit, wieder handlungsfähig zu werden.
04
Sei ein Engel
Menschen können Engel und Scheusale sein, gerade in Gruppen. Deshalb denke ich heute: sei ein Engel. Davon kann es auf dieser Welt nicht genug geben. Und Engel kann man nicht ans Bein pinkeln – weil sie Flügel zum Fliegen haben.
Warum ich das so offen schreibe? Vielleicht, weil du dich in dem einen oder anderen wiedererkennst. Vielleicht auch, weil du dich gerade in einem Lebensabschnitt mit wenig Sonnenschein befindest. Ich kenne solche Zeiten. Und ich freue mich darauf, dich ein Stück durch das Tal zu begleiten – bis du wieder fliegen kannst.
Lass uns sprechen →